• Freitag 05.08.
    20:00 Uhr

  • Kassenöffnung: 19:00 Uhr
  • Ort: echaz.Hafen
  • Genre: Soul
  • Vorverkauf: 44,85 €
    Abendkasse: 50,00 €
    ermäßigt: 39,00 €
  • Freitag 05.08.
    20:00 Uhr

  • Kassenöffnung: 19:00 Uhr
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  • Genre: Soul
  • Vorverkauf: 44,85 €
    Abendkasse: 50,00 €
    ermäßigt: 39,00 €
HafenSounds 2022 Vol. II

Joy Denalane

»Let Yourself Be Loved«

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Mit »Let Yourself Be Loved« hat Joy Denalane ihr definitives Soul-Statement aufgenommen. Das Album ist zu gleichen Teilen Selbstbehauptung, Ahnenforschung und Hommage an die großen Klassiker des Genres. Ein musikalisches Meisterwerk, auf dem Denalane souverän alle Stränge ihres bisherigen Wirkens zusammenführt. Gleichzeitig steht Joy Denalane durch die Veröffentlichung des Albums auf Motown-Records nun in eine Reihe mit den ganz, ganz Großen des Genres - umso mehr ist es für uns eine absolute Ehre, sie im Rahmen der HafenSounds-Festivals in Reutlingen begrüßen zu dürfen.
Um die Bedeutung und die musikalische Kraft von »Let Yourself Be Loved« ergründen zu können muss man Tiefer gehen und verstehen, dass sie Joy Denalane hingebungsvoll mit der Musik ihrer Kindheit, u.a. den Soul-Platten aus dem Vinyl-Regal ihres Vaters, beschäftigte. So begibt sie sich nicht nur auf eine Suche nach ihren musikalischen Wurzeln. Es geht hier nicht um Vintage-Simulationen alter Soul-Aufnahmen. Sondern natürlich um: Identität - Musikalisch, politisch, persönlich.

Am Anfang war die Idee. Und wenn alles immer so verführerisch leicht und einfach wäre, wie die besten Soul-Songs klingen, dann wäre wohl auch die Umsetzung dieser Idee nicht mehr als ein sprichwörtliches Kinderspiel gewesen: »Ich wollte ein ganz klassisches Soul-Album machen“, sagt nämlich Joy Denalane. „Stilistisch wollte ich mich in der Phase von Ende der Sechzigerjahre bis ungefähr 1973 bewegen.«
In diesem Satz liegt allerdings bereits einer der Gründe verborgen, weswegen wir zunächst einige Jahre zurückspulen müssen, wenn wir die Geschichte von »Let Yourself Be Loved« erzählen wollen, des neuen, ganz fantastisch gewordenen Soul-Albums von Joy Denalane.
Doch werfen wir zunächst einen Blick auf die Soul-Ära, der Joy Denalane hier ihre Inspiration verdankt. Die Jahre ab ungefähr 1968 markierten für das Genre einen entscheidenden Wendepunkt und gelten heute zu Recht als die Zeit, in der Soul sich endgültig zu einer gesellschaftspolitischen Kraft mit einiger Wirkungsmacht entwickelte und musikalisch über sich selbst hinauswuchs. Inspiriert vom Vorbild der Beatles und den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen der Zeit, hatten viele Soul-Stars damals keine Lust mehr, schmachtende Liebeslieder für das weiße Vorstadt-Amerika zu singen. Es stand ihnen der Sinn nach künstlerisch Nachhaltigerem, nach Songs, die das, was auf den Straßen passierte, in Musik übersetzen.
Damals entstanden bis heute gültige Klassiker, die weit über das Genre hinauswiesen und in keiner Liste der besten Alben aller Zeiten fehlen dürfen. Wenn wir also über Werke wie »What’s Going On«, »Songs In The Key Of Life«, »Hot Buttered Soul«, »Spirit In The Dark« oder »Superfly« sprechen, über Künstlerinnen und Künstler wie Marvin Gaye, Stevie Wonder, Isaac Hayes, Aretha Franklin und Curtis Mayfield, stellt sich natürlich eine Frage: Wie findet man in einem so krass ausgeleuchteten und durchinterpretierten Raum die eigene Stimme, wie soll man diesem unfassbaren Kanon noch Relevantes hinzufügen? Im Angesicht solcher Ikonen kann man sich ja durchaus sehr klein fühlen. Auch wenn man Joy Denalane heißt. »Ich hatte als Kind beinahe Angst vor dieser gewaltigen Stimme von Aretha Franklin«, sagt sie.
Natürlich dreht es sich um: Identität. Musikalisch, politisch, persönlich. Der biografische Aspekt, der Wunsch nach Verortung zieht sich bereits durch das Werk dieser Frau. Gleich mit ihrem ersten Album, dem mit Gold ausgezeichneten »Mamani«, machte Joy Denalane sich auf die Suche nach den südafrikanischen Wurzeln ihres Vaters, bereiste dessen Heimat und arbeitete mit lokalen Musikern zusammen. »Born & Raised«, mit dem sie Platz zwei der deutschen Charts erreichte, trug die Sehnsucht nach einer klaren Identität dann bereits im Titel und widmete sich vor allem ihrer großen R&B-Leidenschaft. Auf den Top-10-Alben »Maureen« und »Gleisdreieck« schließlich stellte Denalane sich ihrer Biografie und suchte die Orte ihrer Kindheit und Jugend musikalisch wieder auf.
Die Idee eines klassischen Soul-Albums als Kulminationspunkt dieser besonderen musikalischen Reise ist also im Grunde logisch und auch schon ein bisschen älter. Noch vor ihrem letzten Album, »Gleisdreieck«, hatte Joy Denalane sich an die Produktion begeben. Sie arbeitete damals mit Songschreibern und Produzenten im New Yorker Stadtteil Williamsburg und hat dort bereits die Demos produziert, die jetzt die Basis von »Let Yourself Be Loved« bilden.
»Ich habe diese Platte gemacht«, sagt Joy Denalane. »Es ging mir dabei um Sound und Gefühl, um eine Suche nach mir selbst: Wo komme ich her, was macht mich aus, wenn ich alles andere weglasse, was bleibt dann übrig?« Vordergründig singt sie in den meisten Songs über die Liebe in sämtlichen Facetten: die Liebe zu Freunden, Kindern, natürlich auch romantische Liebe. Sie tut das allerdings auf ganz ähnliche Weise, wie auch früher im Soul universell verständliche Themen eine zusätzliche Bedeutungsebene und eine politische Aufladung erfuhren. Der Schmerz und die Dringlichkeit, die in diesem Love-Songs liegen, legten natürlich eine Fährte zur schwarzen Bürgerrechtsbewegung und das durch Rassismus und Marginalisierung erlittene Leid.
Und dieses Leid ist leider international und nicht auf die vereinigten Staaten der Sechzigerjahre begrenzt. »Ich spüre meinen eigenen Schmerz, meine Wut, meine Verzweiflung und Verletzlichkeit sehr auf dieser Platte«, sagt Joy. »Diese Musik bringt diese Gefühle zum Vorschein und kanalisiert sie noch mehr als die Platten davor.«
Die Erfahrungen, die Joy Denalane als schwarze Frau in der Diaspora Deutschland gemacht hat, durchziehen »Let Yourself Be Loved«. In ihrer Kindheit und Jugend gab es nur sehr wenige Schwarze in diesem Land und schon gar keinen Sound, der ihre täglichen Rassismus- und Ausgrenzungserfahrungen thematisierte.
»All die Jahre bin ich gegen Mauern gerannt«, sagt Joy, »selbst im kosmopolitischen, aufgeklärten Berlin. Die Musik hat mir Kraft gegeben und zu einer Bewusstwerdung beigetragen. Als Kind ist das einfach nur ein komisches Gefühl, wenn man ausgegrenzt wird, das versteht man ja noch nicht. Unsere Mutter hat uns jeden Morgen perfekt frisiert. Die Prägung, die wir durch unsere Eltern bekommen haben, war: »Ihr müsst immer besser sein als die anderen, wenn ihr ein Defizit habt, müsst ihr es ausgleichen.« Inzwischen ist mir bewusst, was ich mit 20 oder 25 noch nicht wissen konnte: Man gewöhnt sich nie an diese Verletzungen und Zurückweisungen, es wird einfach nicht besser. Die permanente Kategorisierung macht einen wahnsinnig und immer empfindlicher.«
Es macht die gebürtige Berlinerin, die Großkünstlerin Joy Denalane allerdings keineswegs weniger kämpferisch: Manchmal geht es auch um die Abwesenheit von Liebe, wenn man über Liebe singt. Nicht nur deswegen ist »Let Yourself Be Loved« die Essenz von Joy Denalane.

 

Das »HafenSounds-Festival« ist das neue franz.K Open-Air-Format im echaz.Hafen. Die HafenSounds präsentieren auf dem Seecontainer-Areal unter alten Platanen und mitten in der kleinen Großstadt Reutlingen bekannte Bands und Künstler*innen. Darunter auch solche, die nie in Reutlingen waren, weil es für sie hier bisher keine ausreichend große und vom Ambiente her passende Spielstätte gab.
An drei langen Sommer-Wochenenden wird es also große Open-Air-Konzerte geben. An Pfingsten »HafenSounds Vol. 1« und an den ersten beiden Wochenenden der Sommerferien, Ende Juli und Anfang August, »HafenSounds Vol. 2«.
Dabei bleiben wir unserem Motto treu: es wird ein buntes Programm für jung und alt geben, was aber nicht Allerlei ist.
Getreu dem franz.K-Motto: Für alle Altersgruppen, für viele Geschmäcker, aber keinesfalls ein Allerlei.

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